Der fantastische Muschelkalk rund um Ingelheim ist
für mich so etwas wie ein roter Teppich. In diesem
wunderbaren Substrat rekeln sich die Reben vor Wonne.
Es ist die Lieblingsnahrung von Burgunder & Co.
Bei der Produktion meiner Weine sind auch die kleinsten
Details von Bedeutung. Aus der Summe ergibt sich das
Ganze. Vollkommen ausgereifte Traubenkerne zum Beispiel,
liefern während des tagelangen Maischekontakts feinstes,
integrales Tannin für meinen Spätburgunder.
 
Je mehr geschmacklich wahrnehmbare Informationen
diese faszinierenden Früchte in der Vegetationsperiode
gespeichert haben, desto packender ist die Begegnung
mit den Weinen. Jeder Jahrgang ist eine Lebensschule.
 
 
Als Winzerin will ich Volltreffer erzielen. Im Zentrum
meiner Überlegungen steht immer die Eleganz, das Pure,
die Finesse.
Ich glaube nicht, dass es klug ist, die Subtilität unseres
Klimas am 50. Breitengrad in Überreife, maximaler
Extraktion und einer möglichst hohen Alkoholausbeute
münden zu lassen.
Ich möchte den Esprit des Ingelheimer Terroirs so
authentisch wie möglich auf meine Weine übertragen.
 
Bei der Verschmelzung der Charakterzüge meiner
weißen Lieblinge verlasse ich mich auf meine subjektive
Intuition.
In White Wedding 2012 dominiert der
Viognier, in
2013 wird es vielleicht der Grauburgunder
sein. So bleibt es abwechslungsreich und spannend.
 
Das ist Kaliber 36. Ein Spätburgunder, bei dem ich
alles auf die Spitze treibe, was mich an dieser Rebsorte
fasziniert. Seine Transparenz im Look, sein unschuldiges,
seidiges Tannin und dann dieses tiefgründige Parfüm –
eine unbeschreibliche Mischung aus Sanftmut und Feuer.
 
Das ist Kaliber 19. Ein Grauburgunder. Erst beim
zweiten Anlauf durfte dieser Wein an den Testern von
der Qualitätsweinprüfung vorbei, weil ihnen die Farbe
nicht gefallen hat. Sie passte wohl nicht in ihr Weltbild.
Dabei ist es gerade die Farbe, dieses verwunschene
Changieren, das meinen Grauburgunder so attraktiv
macht. Der Transfer der rosa-metallic schimmernden
Pigmente aus den Beerenschalen in den Wein eröffnet
auch geschmacklich eine neue Dimension.


Ich trinke mit den Augen.
Die Farbe ist das Herz dieses Weines.
Der Rest ist dynamisch, durchtrainiert,
schlank, rasant.
Jeder Wein ist am Anfang nur eine Idee. Meine Weine
entstehen in einer schöpferischen Auseinandersetzung
mit der Natur. Für mein Leben gern experimentiere ich
und führe für die Differenzierung der Weinbergsarbeit
neue Erkenntnisse und Techniken zusammen. In einigen
Parzellen, die mir besonders ans Herz gewachsen sind,
flechte ich die Triebspitzen ein, um das Wachstum der
unablässig zum Licht strebenden Reben auf verletzungs-
und schockfreie Weise zu begrenzen. Das tut ihnen gut.
Und was gut für sie ist, ist auch gut für meinen Wein.
 
Bei einigen Rotweinen vergäre ich Rappen und Rebholz
mit, um die Feinheit besonders wertvoller Rotweine
positiv und aus eigener Kraft zu unterstützen.
 
Ein Solo ist gut. Der Mehrklang aber auch. Bei Adams-
Wein gibt es selbstverständlich auch eine rote Cuvée. Sie
besteht aus Spätburgunder und noch ein paar anderen
Geheimnissen. Mehr wird nicht verraten. Ich möchte, dass
Sie Spaß mit Browning Baby haben.
 
Es sind die Burgundersorten, die es mir angetan
haben. Und der Chardonnay. Natürlich pflege ich auch
zum Riesling eine innige Beziehung. Mit ihm zeige ich,
dass er in der Rotweinmetropole Ingelheim viel mehr
als nur ein Zaungast ist.
 
 
Der Wein fasziniert mich. Er ist meine Leidenschaft,
mein Beruf. Für mich bedeutet er die Interpretation einer
idealen Konstellation: Das Rheintal, der Muschelkalk und
die Kalkflugsande rund um Ingelheim, die die komplexen
geologischen Strukturen der Landschaft prägen. Das milde
Klima, die ideal exponierten Weinberge und natürlich
meine Lieblingsreben – all diese Variablen führe ich durch
mein Denken und Handeln im Wein zusammen.

Ich wünsche Euch viel Freude damit!

Simone Adams